Eine Lanze für kleine Kreativ-Teams brechen

TeamWork oder TeamRuhe?

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts testete der französiche Agraringenieur Max Ringelmann Mensch und Tier, um herauszufinden, ob es denn sinnvoller ist, einen Acker mit einem Pferdegespann zu pflügen, ein Förderrad von sechs Menschen drehen zu lassen oder doch nur von zweien. Und schon war der Ringelmann-Effekt geboren. Die Leistung Einzelner müsste sich doch addieren. Bei jeglicher Teamarbeit – oder?

An genau dieser Stelle möchte ich eine Lanze für kleine Kreativteams brechen.


Natürlich war dem nicht so, denn die Motivation des Einzelnen und Koordinationsverluste sind entscheidende Faktoren.

Spätere Studien bestätigten diesen Effekt. Man verfeinerte die Methoden und ließ beispielsweise Menschen mit verbundenen Augen und aufgesetzten Kopfhörern so laut schreien, wie sie nur konnten. Ein Mal wurde ihm vorher mitgeteilt, dass er sich allein im Raum befinden würde, ein anderes Mal sagte man, dass man sich gleichzeitig mit mehreren weiteren Versuchspersonen im Raum befände.

Die Leistung der (angeblichen) Einzelpersonen lag im Presslufthammerbereich. Zwei Personen erreichten lediglich 66 % der Gesamtleistung. Ein Six-Pack gar nur noch 36 %.

Was sagt uns das? Am besten solche Kreativteams bilden, bei denen allein schon durch die Hirarchie (mehrere Artdirektoren, Kreativdirektoren, Konzeptioner, etc.) lediglich eine Einzelperson übrig bleibt, die die Ideen selbst produzieren muss.

Spaß muss sein – hier kommt die Auflösung:

In Gruppen sollte zuerst auf die Motivation geachtet werden. Die Aufgabe sollte für jeden Einzelnen als richtig und wichtig sein. Er sollte sich mit den Zielen identifizieren können. Natürlich versteht es sich von selbst, dass jedes Gruppenmitglied auch noch die nötigen Fähigkeiten mitbringen sollte, die Leistung überhaupt erbringen zu können. Hiermit kann ein „Stopper“ bereits in die Gruppe integriert worden sein. Denn wer bisher bereits sechs Ideen hervorgebracht hat, überlässt dem anderen gern die nächste Idee. Eine Lösung ist die oftmals in Kreativitätstechniken „verbaute“ Methode, Ideen niederzuschreiben, ohne dass der direkte zeitliche Vergleich der Ideenproduktivität der einzelnen Gruppenmitglieder möglich ist.



Trotzdem wird es keine 100 % Leistung des Einzelnen geben. Untersuchungen über das Applaudieren und Seilziehen ergaben nämlich ähnliche „Ringelmann-Effekte“. Motivations- und Koordinationsverluste kann ich mir an diesen Stellen gar nicht mehr vorstellen, aber sie sind da.

Außer bei meinem letzten THE POLICE-Konzert. Ich wäre mit Sicherheit aus dieser Studie geflogen :-)

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